Die Logistik befasst sich mit Organisation, Steuerung, Bereitstellung und Optimierung von Prozessen der Güter-, Informations-, Energie-, Geld- und Personenströme entlang der Wertschöpfungskette sowie der Lieferkette.

Wortherkunft

Die Wurzeln des Begriffs Logistik liegen im griechischen Wort logein ? denken

                       

logos ? Verstand, Sinn, Rechnung

logikos ? richtig, vernünftig

logistikos ? berechnend, logisch denkend

und weiter aus dem germanisch-französischen Stamm:

loger ? Unterbringung

logis ? Quartier machen

Ursprung der Logistik

Historisch hat die Logistik ihren Ursprung im Militärwesen (Napoleonische Kriege und europäische Befreiungskriege). Sie stellte den Nachschub für die Kämpfer sicher oder genauer: Die Logistik beinhaltete die Verwaltung, Lagerung und Steuerung des Transports der für die Kriegsführung notwendigen Güter (Waffen, Munition, Verpflegung etc.) zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort.
Weitere Informationen im Artikel Nachschub.

Die Logistik als Gegenstand der Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften


Die Wirtschaftswissenschaften befassen sich mit den wirtschaftlichen Zusammenhängen und Gesetzmäßigkeiten der Logistik. So werden bspw. Lager-, Produktions-, Transport-, Personal- und Materialkosten der einzelnen Prozesse in einem System ermittelt aber auch Einflussfaktoren der einzelnen Ströme und deren Auswirkungen. Weiter werden Kennzahlen und Analysefunktionen wie bspw. Kosten-Nutzen-Analyse, Nutzwertanalyse zur Kontrolle und Optimierung der Prozesse eingesetzt. Ursprünglich als Hauptfunktion der Materialwirtschaft verstanden, wird Logistik heute vor allem als betriebliche Querschnittsfunktion über die Bereiche Beschaffung, betriebliche Leistungserstellung (Produktion im weiteren Sinne) und Absatz betrachtet.

Die Ingenieurwissenschaften beschäftigen sich mit der technischen Ausführung der Transporteinrichtungen und Ausgestaltung der Transportnetzstrukturen. Zu den Disziplinen gehört die Fördertechnik, die Materialflusstechnik, die Lagertechnik und die Verkehrsbetriebstechnologie. Informationstechnik und Telematik dient der Kontrolle und Steuerung der Ortsänderungsprozesse. Automatisierungstechnik erlaubt, logistische Prozesse zu automatisieren.

Grundlagen der Logistik

Definition


Konkreter wird Logistik daher definiert als integrierte Planung (Logistikplanung), Organisation, Steuerung, Abwicklung und Kontrolle des gesamten Material- und Warenflusses mit den damit verbundenen Informationsflüssen, beginnend bei der Absatzplanung / Marketing; Entwicklung über Produktion, durch die (eigenen) betrieblichen Wertschöpfungsstufen (z. B. Produktions- und/oder Distributionsstufen), Beschaffung bis zur Auslieferung der Produkte beim Kunden, inklusive der Abfallentsorgung und des Recyclings.

Ziele

Die Ziele der Logistik sind die Erbringung einer hochwertigen Leistung, Qualität und Kostensenkung. Hierbei entstehen Zielkonflikte. Beispielsweise wird ein hoher Lagerbestand zwar die Fehlmengenkosten vermindern sowie die Lieferbereitschaft erhöhen, jedoch steigen dadurch automatisch die Lagerhaltungskosten. Die Logistik-Kostenrechnung dient hierbei als Instrument zur Ermittlung des Optimums.

Generell wird versucht, überflüssige Transporte zu vermeiden. So kann es sein, dass ein Zulieferer mehrere Teile zusammen montiert, weil hierdurch unter dem Strich weniger Transportarbeit anfällt. Bei einer Warenverteilung kann es sinnvoll sein, hiermit eine Spezialfirma (eine Spedition) zu beauftragen. Diese hat dann auch andere Auftraggeber, setzt z. T. moderne Flottensteuerungslösungen ein und kann so teure Leerfahrten besser vermeiden.

Sobald dieser Teil reibungslos funktioniert, liegt es auf der Hand auch die Terminplanung mit der Bestellung der Vorprodukte und dem Versand der Fertigprodukte hiermit zu verknüpfen. Alle Fachabteilungen haben durch ein Warenwirtschaftssystem die gleiche Informationsbasis. Schließlich erfolgt die Bewertung aller Vorgänge unter buchhalterischen Gesichtspunkten.

Aufgaben

Pragmatischer wird die Aufgabe auch durch Reinhardt Jünemann (1989) formuliert: ?Der logistische Auftrag besteht darin, die richtige Menge, der richtigen Objekte als Gegenstände der Logistik (Güter, Personen, Energie, Informationen), am richtigen Ort (Quelle, Senke) im System, zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Qualität, zu den richtigen Kosten zur Verfügung zu stellen.? Reinhardt Jünemann: Materialfluß und Logistik (1989), S. 18. Es handelt sich dabei erkennbar um eine Adaption der Lasswell-Formel (1948) aus den Kommunikationswissenschaften.

Aufgaben der Logistik sind u.a. Transport, Lagerung, Bereitstellung, Beschaffung und Verteilung von
Gütern, Personen, Geld, Informationen und Energie und deren Steuerung, Kontrolle und Optimierung.

Eine logistische Aufgabe ist u.a. der Transport von Gütern. Vom Produzenten zum Kunden oder vom Verkäufer zum Endkunden. Eine weitere Aufgabe ist u.a. der innerbetriebliche Transport von Waren/Material und Informationen, z.B. Waren aus dem Lager zum Produktionsort zu transportieren, Mitarbeiter mit Informationen und Arbeitsmaterialien zu versorgen usw. So sind die verschiedenen Fachdisziplinen der Logistik mehr oder weniger abhängig von der Effizienz der Infrastruktur der Unternehmen, der Städte usw. aber auch von den technologischen Systemen.

Eine Aufgabe der Distributionslogistik ist die Sicherung, Bereitstellung und Kontrolle von Gütern oder Waren während der Lagerung. Eine weitere Aufgabe ist die Beförderung von Schwerlasten (nicht maß- und/oder gewichtsgerechte Frachtgüter) oder der Gefahrguttransport und die Lagerung von Gefahrgut, für die bestimmte gesetzliche Vorschriften bestehen.

Bereiche

Die Logistik stellt für Gesamt- und Teilsysteme in Unternehmen, Konzernen, Netzwerken und virtuellen Unternehmen kunden- und prozessorientierte Lösungen bereit. Logistik (im betriebswirtschaftlichen Sinne Warenbewegung) verbindet die betrieblichen Bereiche Lagerung und Transportwesen. Unter dem Lohnkostendruck und mit Hilfe eines Warenwirtschaftssystems war es notwendig und möglich diese beiden Bereiche unter einer gemeinsamen Strategie zusammenzufassen.

Funktionsbereiche

thumb|350 px|Gütertransport über die Autobahn

  • Innerbetrieblicher Transport
  • Außerbetrieblicher Transport
  • Umschlag (Beladen, Entladen sowie Umladen)
  • Lagerhaltung / Bestandsmanagement
  • Logistikeinheitenbildung
  • Warenprüfung und Handhabung
  • Lagerung und Kommissionierung
  • Verpackungen
  • Steuerung und Planung der Produktionsabläufe
  • Koordination der Prozessdurchführung

Wettbewerbsorientierung

Das Alter eines logistischen Organisationsansatzes ist der erste Hinweis auf einen Zustand des Beharrens. Der Beweis der überwiegend technischen Bewertung erschließt sich bei dem Versuch, Prozesskosten der Logistik in einer Prozesskostenrechnung erfasst zu sehen. In über 95 % der logistischen Systeme jenseits der Projektlogistik wird

  • entweder nach einem zunächst wissenschaftlich begründeten, aber längst nicht mehr aktuellen Ansatz nur bei wirtschaftlicher Not nach einem neuen Beschreibungsmodell und einer fundierten Erneuerung der Prozessführung gesucht,
  • oder ohne ein wissenschaftlich begründetes Modell lediglich handwerklich und mechanistisch an Symptomen einer schwachen Prozessführung gebastelt,
  • in beiden Fällen jede prozessorientierte Erfassung oder zumindest eines prozessauflösenden Monitorings der Kosten unterlassen und stattdessen

die klassische pauschale auftrags- oder verfahrensorientierte Summenkalkulation (lump-sum-costing) betrieben.

Trotz der resultierenden schwachen wirtschaftlichen Robustheit zeigt sich die Resistenz der Logistik gegenüber einem wettbewerbsorientierten Vorgehen. Vielfach wird die Verweigerung erst durch Insolvenz gebrochen. Zuletzt werden die stetig steigenden Energiekosten und Treibstoffkosten diese Neigung zum Beharren aufbrechen.

Fachdisziplinen der Logistik

Man untergliedert in der Betriebswirtschaftslehre die Logistik im engeren Sinne daher horizontal auch in die vier Subsysteme:

  1. Beschaffungslogistik; optimale und zeitgerechte Zulieferung und Beschaffung von benötigten Gütern. Teilbereich der Inbound-Logistik
  2. Produktionslogistik; Planung, Steuerung und Überwachung der innerbetrieblichen Transport-, Umschlags- und Lagerprozesse
  3. Distributionslogistik (Vertriebs-, Absatzlogistik); Verteilung oder Zustellung bzw. Vertrieb von Gütern. Auch Outbound-Logistik genannt,
  4. Entsorgungslogistik (Reverse-Logistik); Rücknahme von Abfällen und Rückständen zur Beseitigung oder Verwertung, Recycling

Teilbereiche der Logistik

Lagerlogistik: beinhaltet die Planung, Durchführung und Kontrolle aller logistischen Maßnahmen bezüglich der Standortwahl des Lagers, Gestaltung optimaler Lagersysteme und Lagerorganisation sowie der Lagertechnik.

Transportlogistik: beschäftigt sich mit der physikalischen Verbringung von Gütern zwischen verschiedenen Orten innerhalb von Logistiknetzwerken.

Nach Art der Tätigkeit wird auch zwischen Lagerlogistik (Lagerwesen), Verpackungslogistik und Transportlogistik unterschieden. Häufig taucht in diesem Zusammenhang auch der Begriff Intralogistik auf, der in der Regel die kompletten logistischen Vorgänge an einem Standort übergreifend zusammenfasst und je nach Betrieb eine Kombination aus Produktionslogistik, Lagerlogistik und Verpackungslogistik darstellt.

Kontraktlogistik: TUL-Prozesse (Transport/Umschlag/Lagerung) im Rahmen eines Vertrages zwischen Dienstleister und Kunden, wobei ein bestimmter Mehrwert durch bestimmte Arbeiten wie zum Beispiel durch Kommissionieren, Fakturieren, Konfektionierung und so weiter erreicht werden soll.

Informationslogistik: beinhaltet die strategische Planung und Entwicklung aller für die Geschäftsprozessabwicklung und die für den Informationsaustausch erforderlichen Informationssysteme und Prozesse sowie die Sicherstellung einer hohen Qualität und die durchgängige Verfügbarkeit der bereitgestellten Informationen.

Ersatzteillogistik: beinhaltet die Sicherstellung der Einsatzfähigkeit der verkauften Produkte durch Ersatz- oder Wartungsprodukt und ist ein Teilgebiet der Distributionslogistik. Für die Investitionsgüterindustrie ist die Ersatzteillogistik für den After-Sales-Service von großer Bedeutung.

Personallogistik: beinhaltet die Einsatzplanung und Entwicklung von Mitarbeitern. Siehe hierzu auch Personaleinsatzplanung.

Logistische Kosten

Beispiele für logistische Kosten sind Lagerhaltungskosten, Bestandskosten, Transportkosten, Kommissionierungskosten, Verpackungs- und Versandkosten, Entsorgungskosten sowie Auftragsabwicklungskosten. Die Kostenrechnung für den Logistikbereich beinhaltet die Erfassung und Verrechnung der von den logistischen Tätigkeiten verursachten Kosten.

 

In der Regel erfordert eine gut funktionierende Logistik hohe Investitionskosten. Dem stehen eingesparte Lohnkosten gegenüber. Die technischen Beschreibungen übergehen den entscheidenden betriebswirtschaftlichen Aspekt des Kosten/Nutzen-Verhältnisses. Die Vereinfachung führt zum Gleichgewicht der Parameter Kosten und Nutzen, häufig mit Gewichtung der Kosten und weniger auf Betrachtung des Nutzens. So steht es in vielen Anwendungsfällen der Logistik noch aus, durch einen Neuentwurf der Prozesse für eine Steigerung des Nutzens zu sorgen und dadurch eine Senkung der Kosten herbeizuführen.

Die logistische Kette

Die logistische Kette ist der Weg vom Lieferanten bis zum Kunden die ein Prozess durchläuft.
Dabei sind die Schnittstellen die Beschaffung (Bestellungen: Material, Dienstleistungen), die Produktion (Prozesse) und der Vertrieb (Kundenauftrag: Produkte, Dienstleistungen). Beeinflusst wird
dieser Ablauf durch die vorhandenen logistischen Prozesse und die Materialressourcen. Das Ziel ist es, diese Schnittstellen in Nahtstellen zu transformieren, indem sie durchgängig abgestimmt und Prozessabläufe systemübergreifend gesteuert werden.

Die logistische Kette bringt u. a. folgende Vorteile:

  • Durch das Zusammenfassen der Hauptprozessketten wird die Duplizierung logistischer Aktivitäten vermieden.
  • Transporteinheiten werden aufeinander abgestimmt, wodurch der Umschlags- und Verpackungsaufwand vermindert wird.
  • Die logistische Flussorientierung wird verwirklicht.

Logistik-Optimierungsansätze

Durch moderne Konzepte wie Efficient Consumer Response, Just-in-time-Produktion, Supply Chain Event Management, Category Management oder Kanban kann Logistik effizienter gestaltet werden. Voraussetzung hierfür ist eine adäquate (informations-)technologische Unterstützung wie z. B. durch EDI (Electronic Data Interchange), RFID (Radio Frequency Identification), Strichcodes, Enterprise Resource Planning- bzw. Advanced Planning and Scheduling-Systemen sowie Tracking & Tracing-Systemen.

Siehe auch

Einzelnachweise

Literatur

  • Kai Beckmann: Logistik. Merkur Verlag, 2. Aufl., Rinteln 2010.
  • Timm Gudehus: Logistik, Grundlagen, Strategien, Anwendungen. Springer-Verlag, 3. Aufl. 2005; Berlin - Heidelberg - New York
  • Rolf G. Poluha: Anwendung des SCOR-Modells zur Analyse der Supply Chain. 4. Auflage, Lohmar und Köln 2008, ISBN 978-3899367195.
  • Hans Jung: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. R. Oldenbourg Verlag, München 1994.
  • Rolf G. Poluha: Quintessenz des Supply Chain Managements. Springer-Verlag, Berlin und Heidelberg 2009. ISBN 9783642015830.
  • A.R. van Goor; Drs. S.J.C.M. Weijers: Logistiek Zakboek. Reed Business Information 3e druk, Doetinchem 2004.
  • G. Schuh; P. Attig: Smart Logistics. Apprimus Verlag, Aachen 2009. ISBN 9783940565211.

Weblinks


  • [http://www.fml.mw.tum.de/fml/index.php?Set_ID=320/ Logistikkompendium - Lexikon mit vielen relevanten Begriffen aus der Logistik]
  • BDI-Publikation: Deutschland - Land der Mobilität
  • Logistik-Glossar
  • [http://www.acel.ch/05_Glossar/Glossar.php?alf=a&count=-1/ Das Logistik-Glossar aus der Schweiz]
  • Molekulare Transportlogistik

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